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TriBSA: die Verwandlung zum Edel-Bastard


Metisse-LogoWer die Geschichte einer TriBSA erzählen will, muss vor allem zunächst einmal die Geschichte der Brüder Don und Derek Rickman aus New Milton in Großbritannien erzählen. Den Rennbazillus bekamen die Brüder familiär in die Wiege gelegt, da sich ihr Vater als Betreiber eines Motorshops auch an Motorradwettbewerben beteiligt hatte. Nach dem Tod des Vaters begannen sie seine Hinterlassenschaft, eine BSA B 32 Trial-Maschine in Richtung einer Scrambler umzubauen. Abwechselnd nahmen sie damit an lokalen Rennen teil. Derek fuhr 1948 erste Trial-Wettbewerbe, Don startete ab 1951 im Geländesport.

Rasch merkten sie, dass die verwendeten Rahmen für die starken und schweren britischen Viertaktmotoren zu weich waren. Sie begannen, an ihren Wettbewerbsmotorrädern Versteifungen am Lenkkopf sowie Verstärkungen an der Schwinge und den Schwingenlagern vorzunehmen.

TriBSA

Gestartet sind die Rickmans – oder kurz „The Brothers“ – wie sie allgemein genannt wurden, vor allem mit Motorrädern von BSA Goldstar (Birmingham Small Arms Company). Ihre technischen Änderungen bewährten sich sehr erfolgreich im Sport und die Nachfrage nach ihren Umbauten nahm rapide zu. Ende 1958 haben sie deshalb eine kleine Werkstatt gegründet, in der verstärkte und umgebaute BSA Goldstar und A7/10 Rahmen in Kleinserien anfertigt wurden. Mit einem BSA Gold Star Rahmen, einer Norton Roadholder Gabel und einem getunten 500er Triumph Motor entwickelten sie 1958 ihr erstes komplettes Motorrad, sozusagen eine TriBSA. Das war die Geburtsstunde der Rickman Metisse, Mark 1 oder auch Mk 1. Die weiteren für das Motorrad benötigten Komponenten wie Tank, Kotflügel und Seitenteile fertigten sie aus GFK selbst an. Mit den rundlich ausgeformten „Fendern“ verliehen sie ihrer Maschine ein sehr formschönes Aussehen, welches man heute durchaus als markentypisch beschreiben kann. Sie schufen einen Mischling – oder besser gesagt: eine „Mixtur“. Denn nichts anderes bedeutet dabei das Wort „Metisse“, welches sie als Typenbezeichnung aus dem Französischen entlehnten und was übersetzt so viel wie „Bastard“ heißt.

Don und Derek Rickman starteten mit ihren Motorrädern 1958 als Mitglieder des britischen Teams beim Moto-Cross der Nationen. Derek gewann das Rennen. 1960 errang Don Rickman in der Moto-Cross Weltmeisterschaft (500ccm) auf seinem eigenen Fabrikat Platz 3.

Ab Ende 1960 entwickelte sich Rickman dann sogar zum richtigen Motorradhersteller. Spezialität späterer Jahre war der Bau von vernickelten Rahmen, bei denen das Motoröl in die Rahmenrohre eingefüllt wurde. Diese Spezialrahmen wurden ausschließlich aus Reynolds- 531-Rohren mit 1,5 mm Wandstärke gefertigt. Damit sparte man Gewicht und einen gesonderten Öltank. Gleichzeitig war man in der Lage, größere Luftfilter zu verwenden. Ab 1966 wurden bei Rickman auch Straßenrennmotorräder entwickelt. Berühmtester Kunde von Rickman Metisse Scramblern war wohl Steve McQueen, der sich damit in den USA an Wüstenrennen beteiligte.

Wer nun meint, mehr „Bastard“, oder Mixtur, geht nicht mehr, den können wir an dieser Stelle eines Besseren belehren. Die Steigerung vom Bastard zum Edel-Bastard ergab sich spätestens, als dem erfahrenen Geländesportenthusiasten und Motorradsammler W. Steurer eine bereits sehr schön wiederaufgebaute TriBSA in die Hände fiel.  W. Steurer aus der Nähe von Isny im Allgäu ist in der deutschen Geländesportszene kein Unbekannter. Von 1968 bis 1976 gehörte der siebenmalige Teilnehmer an Sechstagefahrten zur absoluten Spitzenklasse der deutschen Motorrad-Geländefahrer. Dabei war er bis auf wenige Ausnahmejahre stets auf werksunterstützten Maschinen des schwäbischen Herstellers MAICO äußerst erfolgreich unterwegs.

Was liegt da näher, als einen „britischen Bastard“ zusätzlich noch mit deutschen MAICO-Genen zu verfeinern – vor allem, um das „Kampfgewicht“ des von Haus aus relativ schweren Briten deutlich abzusenken.

Die bestehende Basis für diesen Eingriff bildete zunächst ein BSA A 10 Rahmen aus 1959 mit einem 498ccm Triumph T 5, Speed Twin Vierventil OHV Motor. Die Leistung des englischen Parallel Twin beträgt mit dem Amal-Vergaser etwa 30 PS bei 6000 U/min. Das 4-Gang Getriebe ist abgekoppelt und wird natürlich, wie auf der Insel damals üblich, rechtsseitig geschaltet. Um nun das Gewicht des Dampfers zu verringern, wurden alle Motorhalterungen entfernt und durch leichte, gefräste Aluminiumplatten ersetzt.

W. Steurer

W. Steurer mit der TriBSA

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