Man sieht es ihm einfach nicht, dass Rolf Musch im kommenden Jahr seinen 79. Geburtstag feiert. Gewohnt dynamisch und immer auf „Zack“ wickelte er auch beim DEC-Finale in Kempenich die Betreuung seiner Fahrer routiniert und souverän ab.

Das es auch für ihn ein „Finale“, der letzte Auftritt bei der Int. Deutschen Enduro Meisterschaft ist, darüber macht der, für seine ruhige und immer hilfsbereite Art hochgeschätzte Rolf keinen großen Wirbel, wenngleich er zugibt, „das Herz blutet mir schon etwas. Nach so vielen Jahren lässt es einem dann doch nicht kalt. Aber es ist ein guter Zeitpunkt einen Schlussstrich zu ziehen“, findet der gebürtige Erzgebirger, der Mitte der 50iger Jahre nach Heidelberg kam. Schon immer einen großen Faible für die Technik, erlernte er den Beruf des Feinmechanikers, machte seinen Meister und war als Werkstattleiter an der Mechanischen Universität in Heidelberg tätig.

Foto: Peter Teichmann / ADAC Enduro

Und nebenher ging es eben mit der „Enduro“ ins Gelände. Hercules, Löwer-Sachs und ab 1973 dann KTM. Mit der österreichischen Marke verbindet ihn eine besondere Beziehung, schließlich ist er der älteste KTM-Vertragshändler Deutschlands. „Nächstes Jahr sind es dann 50 Jahre“, zeigt sich Rolf stolz, der sein Unternehmen in Ketsch, zusammen mit seiner Frau Monika führt und dort noch lange nicht ans Aufhören denkt. „Das Ersatzteillager, insbesondere alter Modelle, ist noch gut gefühlt. Warum also aufhören, wenn es wirtschaftlich passt und noch viel Freude bereitet“, fragt der 78-Jährige, der Kunden in aller Welt beliefert. „Italien, Frankreich, Spanien, England, Schweden, Finnland, Polen, sogar nach Australien und die USA. Es ist schon verrückt, wo wir überall Teile hingeschickt haben. Das Internet macht es eben möglich“, lacht Rolf, der sich nie vor Neuem verschloss und so auch sein KTM Team Musch über viele Jahre erfolgreich führte. „Ein tolle Zeit, mit manch großem Triumph“, erinnert sich Rolf, der neben vielen, unzähligen Titeln im gesamten Zweirad-Offroad-Bereich, ein paar Erfolge besonders herausheben möchte. „Zu nennen ist der Championatstitel von Uwe Weber 1990, ebenso wie der Junioren-Vize-WM-Titel von Johannes Steinel, der diesen mit der deutschen Junior-Trophy im gleichen Jahr in Schweden einfahren konnte. Und Steffi Laier ist mit uns 2004 Damen-Enduro-Europameisterin geworden. Ein Jahr später startete sie dann sogar in der DEM bei den Männern in der E1“, so Rolf über die Ausnahmefahrerin, die er über viele Jahre und von klein auf, bei allen ihren erfolgreichen Missionen rund um den Erdball immer mit unterstützte.

Foto: Peter Teichmann / ADAC Enduro

Ihm selbst blieb der ganz große Wurf in seiner aktiven Zeit verwehrt. „13 Mal habe ich an den Six Days teilgenommen, zu einer Goldmedaille hat es aber leider nie gereicht, wobei ich ein paar mal nah dran war“, plaudert er aus dem Nähkästchen. „Aber beim EM-Lauf in Zschopau, da stand ich einmal als Dritter auf dem Podest.“ Das war 1971 als Hercules-Fahrer in der 100ccm-Klasse hinter Dieter Salevsky und Milan Kreml. In der Deutschen Enduro Meisterschaft war er gar bis 1989 aktiv. „Aber zu meiner Glanzzeit bin ich dennoch nie über Rang fünf hinausgekommen, da ich damals meist immer so drei Werksfahrer vor mir hatte. Damals gab es noch die ganzen deutschen Marken, wie Zündapp, Hercules, Sachs oder Maico, die sich groß im Geländesport arrangierten.“ Worte und Tatsachen, die in der heutigen Zeit fast wie ein Märchen klingen.

Fast märchenhaft ging nun auch die „Betreuer-Karriere“ des Rolf Musch zu Ende, denn Stephanie Laier schenkte ihm zum Abschied noch den Titel im DMSB Enduro-Damen-Cup. Ein weiterer Erfolg für das KTM Team Musch aus Ketsch, das es schon noch weiterhin geben wird, nur eben ohne den Chef unterm Zelt, der seine Fahrer gewohnt dynamisch, routiniert und souverän betreut.

Rolf Musch wurde nun in Kempenich unter großem Applaus, mit herzlichen Worten und einigen Präsenten in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Danke Rolf für alles!

 

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