Das DEM – Kuriosum
Die Jubiläumsveranstaltung des ADAC Westfalen-Ost in Bielefeld, die 50. Westfalen-Lippe-Fahrt im Jahr 1991, dürfte wohl als der kurioseste Lauf zur Deutschen Enduro Meisterschaft in die Motorsportanalen eingegangen sein. Zudem kann man die, wie der ADAC Ost-Westfalen sagt, „älteste Geländefahrt in Deutschland“, bei ihrer 50. Auflage zugleich auch als die erste gesamtdeutsche Endurosportveranstaltung in der Geschichte bezeichnen.
Denn die ursprüngliche Planung, diese Prädikatsgeländefahrt wie üblich auf dem militärischen Gelände in Augustdorf bei Bielefeld durchzuführen, ließ sich kurzfristig aus „im weitesten Sinne genehmigungstechnischen Gründen“, nicht realisieren. Dies hatte zur Folge, dass der umtriebige ADAC Motorradreferent Wolfgang Butzner und sein Team ihre weitläufigen Motorsportkontakte nutzten und dabei auch in Kontakt zu Konrad Bezold, dem damaligen Vorstand der MSC Ohrdruf vom Gau ADAC Hessen-Thüringen kamen. Und für Konrad Bezold und seine Vereinskollegen war das eigentlich kein Thema. Der MSC Ohrdruf machte das unmögliche möglich. Eine mehr als anspruchsvolle Strecke „Rund um Ohrdruf“ konnte zügig gefunden und genehmigt werden und so stand der zeitgerechten Durchführung der 50. Westfalen-Lippe-Fahrt nichts mehr im Weg. Das erste Kuriosum, sie fand zu ihrem Jubiläum nur einfach nicht in der Region Westfalen-Lippe statt. Doch was noch viel kurioser war. Statt auf einem deutschen Bundeswehrgelände samt angegliedertem Truppenübungsplatz, wurde die Veranstaltung nun auf einem russischen Militärareal samt russischem Übungsplatz und unter der Verantwortung eines russischen Standortkommandanten durchgeführt. Und als Parc ferme diente die zugehörige Panzerhalle. Trotz all dieser Widrigkeiten im Vorfeld, die Veranstaltung glänzte mit einem prallgefüllten Teilnehmerfeld und es wurde toller Endurosport geboten. Die Teilnehmer wurden nämlich nicht auf eine Notgeländestrecke geschickt, sondern sie bekamen eine Streckenführung geboten, die einem DEM Lauf sehr angemessen war und als absolutes Highlight eine 800 Meter lange Bachdurchfahrt aufwies. Ein echtes Novum. Es ist auch heute noch kaum vorstellbar, dass so ein cooler Streckenabschnitt bei einer Genehmigungsbehörde in einem der alten Bundesländer realisierbar gewesen wäre. Da haben der Konny und sein Team vom MSC Ohrdruf damals einen richtig tollen Job gemacht. Dass diese Geländefahrt am 11.5.1991 dann aber auch noch einen ganz besonders schwierigen Verlauf nahm, lag dann zusätzlich noch am Wetter. Morgendlicher dichter Nebel führte dazu, dass 4 Fahrer der 80er Klasse und drei Fahrer der 125er Klasse, die Pfadfinder sozusagen, grüne Streckenpfeile übersahen und versehentlich einer Gespannumleitung folgten. Das Übel bemerkten sie erst, als ihnen plötzlich 2 DK Stempel fehlten. Und so kam was kommen musste, die Meisterschaftsaspiranten Thomas Bieberbach als Lokalmatador und Frank Will, sowie die weiteren unglücklichen Falschfahrer, wurden disqualifiziert und mussten somit mögliche Meisterschaftsambitionen begraben. Mehrere Wolkenbrüche sorgten zudem für schwierigste Bodenverhältnisse, auch auf dem Sonderprüfungsareal, so dass sich an diesem Tag die Spreu vom Weizen trennte, wenn es um die Platzierungen in den einzelnen Klassen ging. Den Tages Gesamtsieg fochten Dirk von Zitzewitz und Uwe Weber, die auch gemeinsam an der Startlinie standen, unter sich aus, wobei sich DvZ auf der Suzuki am Ende des Tages durchsetzen konnte und vor KTM Fahrer Uwe Weber lag. Dies am Ende somit die sportliche West-Ost Komponente der Veranstaltung.
Wer die Ereignisse dieses kuriosen DEM Laufes im Detail nachlesen möchte, dem seien die lesenswerten Artikel von Robert Pairan und seinen Kollegen in dem beigefügten Pressespiegel, von Cross Magazin, MCE, PS und zwei lokalen Tageszeitungen, empfohlen. BL
Bilder:
Pressespiegel:
Programmheft/Starterliste:
enduro-klassik.de bedankt sich bei Jörg Bezold und Gunther Fritsch für die Überlassung der in privaten Archiven gesammelten Unterlagen und Bilder von diesem besonderen und historischen Enduro Event.






