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Enduro-Reise: 55.000 Kilometer von Alaska nach Feuerland

Ende GeländeMit jedem weiteren trüben Wintertag wächst in uns die Sehnsucht: nach Sonne, nach der ersten Fahrt nach dem Winter mit dem Bike – nach dem einen, großen Reise-Abenteuer mit der Enduro.
 

Für viele wird das wohl immer nur ein Traum bleiben, enduro-klassik.de hat aber jemanden gefunden, der seinen Traum einfach in die Tat umgesetzt hat: Mathias Heerwagen lässt die Idee von einer großen Enduro-Reise nicht mehr los, und irgendwann … irgendwann entschließt er sich, es einfach zu machen. Nicht mehr zu warten, sondern mit dem Planen zu beginnen, und das Projekt voranzutreiben. Das hier ist seine Geschichte, die er in dem Buch “Ende Gelände – 55.000 Kilometer von Alaska nach Feuerland” niedergeschrieben hat..

 
 

 Es geht los!

“Mit dem Motorrad von Alaska nach Feuerland. Viele träumen davon, ich buche einfach vom Büro aus mein Ticket nach Anchorage und fange erst dann an, die Reise zu organisieren. Schließlich muss man ja ein Ziel haben. Seit mehreren Jahren habe ich die Tour im Kopf, jetzt endlich passt die Zeit, auf dem Konto liegt das gesparte Geld und die Freundin gibt ihr OK.

Agua Negra Pass

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Mein Motorrad ist zwar kein Enduro-Klassiker, die moderne XT1200Z trägt aber noch Gene der legendären Ur-Ténéré in sich. Im Juni 2012 fliege ich nach Alaska und warte eine Woche lang auf mein Motorrad. Ärgerlich, aber was ist schon eine Woche bei geplanten neun Monaten auf Tour? Von Anchorage starte ich nicht nach Süden, sondern erst einmal nach Norden. Nach ganz oben, zum nördlichsten befahrbaren Punkt Nordamerikas – nach Prudhoe Bay am Nordpolarmeer. Kurz vor Mitternacht steht die Sonne flach über dem Horizont, im Sommer geht sie hier oben auf 70 Grad nördlicher Breite nicht unter. Auf einer Wasserfläche schwimmen noch dicke Eisbrocken, selbst im Sommer. Drei Wochen später in Kanada schwitze ich bei fast 30 Grad auf einem Motorradtreffen in Dawson City. In Utah steigt das Thermometer auf 43 Grad, in Belize ist die schwüle Hitze kaum auszuhalten. Später in Peru friere ich auf 4200 Meter Höhe bei knapp über null Grad. Auch das sind Erlebnisse, die eine Tour auf der Panamericana ausmachen: Man überquert 110 Breitengrade und erlebt alles, was die Natur zu bieten hat. Eis und Wüste, dichten Dschungel und öde Pampa, weiße Strände und dunkle Bergwerke. Bei keiner anderen Reise erlebt man solche Unterschiede in relativ kurzer Zeit, relativ dicht beieinander.

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Extreme Gegensätze

In Fahrt

In Fahrt

Gleiches gilt für die Menschen: In Los Angeles übernachte ich einige Tage bei einem russischen Anwalt in Beverly Hills und sitze wenig später mit obdachlosen Jugendlichen in Santa Monica vor dem Hostel. In Mexiko wechselt mir ein Mechaniker für vier Dollar zwei Reifen, in Panama sehe ich mehr Porsche Turbo als anderswo.

Nach drei Monaten in den USA und Kanada überquere ich die Grenze zu Mexiko und muss fortan Spanisch sprechen. Dumm nur, dass ich das kaum kann. Nach dem Weg fragen, nach einer Tankstelle, Essen oder Unterkunft – selbst mit rudimentären Sprachkenntnissen kommt man einigermaßen gut voran. Zur Not wird mit Händen und Füßen erklärt. Weil ich alleine unterwegs bin, komme ich automatisch jeden Tag mit vielen Leuten ins Gespräch. Sei es auf dem Campingplatz, im Hostel oder irgendwo an einem Imbissstand – das Motorrad zieht die Blicke auf sich und Gesprächspartner an. Besonders in Mittelamerika, wo die meisten Motorräder kaum mehr als 250 Kubikzentimeter Hubraum haben.

 

 

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