Beobachtungen und Eindrücke von der  „Enduro Vintage Trophy“ im Erzgebirge

Ein Kommentar von Sven Markurt

 „Nischt kimmt vun ugefaahr, alles kimmt vun ewos haar.“

Eine ganze Armada italienischer Fahrer, ein riesiges Kontingent aus Amiland, sogar 9 Australier, und so weiter und so weiter.

Sie alle wissen, das die Zschopauer wissen, was sie tun. Deswegen nehmen sie alle Mühen, lange Anreisen und Kosten auf sich, um ins Erzgebirge zu kommen. Weil es sich lohnt. Weil hier 100% astreiner Geländesport geboten wird, wie sonst nirgends in Deutschland, vielleicht sogar in Europa. Und obendrein allerorten viele begeisterte Menschen. Vielleicht ist diese Phrase schon sehr oft verwendet worden. Aber nichtsdestotrotz finde ich es einmalig: Landschaft, Strecken, Organisation, Engagement und ruhige Stimmung im Organisationsteam. Für die Sportler ein ziemlich perfektes Event mit optimaler Organisation. Wer sich mal die Homepage des Clubs betrachtet, kann nur erahnen wie viele tausende Arbeitsstunden allein im Büro nötig waren. Plus 5 (!) Sonderprüfungen und rund 100 Kilomter Strecke.

Nach zwei sehr intensiven Tagen an der Strecke und vielen Kilometern zu Fuß war ich begeistert, welch extrem hohes WM-würdiges Niveau geboten wurde. Nur 173 der 458 Starter fuhren alle Fahrtage durch bis ins Ziel. Dazu an Tag 2 zwei für mich an Genialität grenzende Sonderprüfungen. SP am Skihang am Ende der Fahrtage mag man oder mag man nicht. Ich finde für Klassik ist er zu stark zerbombt und bedarf einer partiellen Bodenbearbeitung oder neuen Streckenführung. Selbst ein Uwe Weber berichtet von heiklen Situationen. Und bitte die einzigartige SP Witzschdorf bei der nächsten Classic einbauen.

Wermutstropfen 1: Bei all der Lobhudelei, eine Anmerkung zur Öffentlichkeitsarbeit: Supertolle Fotos vom Fotografenteam, „Freie Presse Sachsen“ hat kräftig berichtet. Das war‘s dann aber auch im großen Ganzen. „Tue Gutes und rede darüber“, heisst es im Medienbereich. Der MSC MZ hat nicht nur Gutes sondern Großartiges geleistet, aber nach meinem Eindruck ist davon nicht viel in die Öffentlichkeit gekommen.

Auf der offiziellen Homepage der Veranstaltung https://webapp.sportity.com/event/FIMEVT keine einzige Pressemeldung (!!!), der Bereich Media/Service leer, also tot.

Die Ergebnislisten hören auf der Veranstaltungsseite nach Tag 2 auf. Lediglich die erste Sonderprüfung von Tag 3 ist noch zu finden. Offensichtlich gab es am dritten Tag Probleme im Zeitnahmeteam. Nur in der Veranstaltungsapp waren Ergebnisse auffindbar. Beispielsweise auf der Seite des DMSB kein einziges Wort zu dieser Weltmeisterschaft in den News. Stattdessen findet sich dort u.a. eine Meldung von einem Autohändler „60 Jahre Krah und Enders“. Unglaublich!

Wermutstropfen 2: Ein einziger Sturz hat das deutsche Trophyteam vom Podium gestoßen. Das ist extrem bitter. Das Team Uwe Weber, Bert von Zitzewitz und Johannes Steinel ist blitzsauber und sauschnell gefahren. Besser geht es nicht. Ein normaler Sturz in der Sonderprüfung – 15-20 Sekunden. Ein Sturz in der Sonderprüfung im Wald mit Überschlag 3-4 Minuten. Bravourös wie sich das Team danach von Platz 6 wieder auf 4 vorgekämpft hat.

Lichtblicke: Davide von Zitzewitz schnellster Einzelfahrer gesamt, Uwe Weber schnellster Fahrer der Kategorie A, Manuel Rüger Schnellster in Kategorie B. Zweiter und Dritter Platz in der Silbervasen-Wertung und Clubteam-Wertung.

Der MSC MZ und die vielen deutschen Fahrer haben eindrucksvoll gezeigt, wie vital und auf welch hohem Niveau Klassik-Enduro in Deutschland ist. Italien, USA, Frankreich und alle anderen Nationen dürften von dieser Mannschaftsweltmeisterschaft schwärmen.

Mein Fazit: Einzigartig, was der MSC MZ auf die Beine gestellt hat. Eine bessere Werbung für den schönsten Ausdauersport der Welt gibt es nicht.

Videoclip von Stefan Bergner „Im Hölzl“

Und zu den ersten von ca. 55 Videoclips, die Jürgen Rödel im Veranstaltungsverlauf festgehalten hat, geht es hier

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