Wie es zu der Erstauflage von „Hohenlohe 8“ kam, welche Arbeiten und Erfahrungen zu bewältigen waren und ob es in 2027 vielleicht eine Neuauflage geben wird, das berichtete uns der Kopf hinter dieser Geschichte, Sven Markurt, Jahrgang 1964 und seit 45 Jahren dem Virus Geländesport, oder „dem schönsten Ausdauersport der Welt!“ wie er es nennt, verfallen.
Ab Mitte der 1980er war er bereits im OMK Pokal aktiv und als seine sportlichen Highlights bezeichnet er Platz 92 beim legendären Strandrennen in Le Tourquet sowie die Teilnahme an der letzten Geländefahrt in Mattighofen. Dazwischen lagen das Gotland Grand National und etliche Veranstaltungen in Frankreich, insbesondere das Trefle Lozerien wo er als allererster deutscher Fahrer in den Genuss der ellenlangen 220 Kilometer-Schleifen kam. Nach einer Familienpause ab Ende der 1990er Jahre stolperte er 2017 in Schimmeldewoog als Zuschauer über das Thema Klassik Enduro und erkannte, dass da ein „toller Zug“ seit mehr als 10 Jahren Fahrt aufgenommen hatte. Keine Frage, auch er sprang auf diesen Zug auf und hat seither an vielen großen und auch kleineren Klassik-Enduro Events in Deutschland und im benachbarten Ausland teilgenommen.

Also stellt sich für uns die Frage an ihn, der Idee, Konzept, Strecke, Logo und Genehmigung der Hohenloher 8 entwickelt hat, wie es dann dazu kam?
„Wir sind aufs Land gezogen, weil die Stadt zu laut wurde. Hohenlohe mit den Tälern von Kocher- und Jagst hat mich schon immer begeistert. Bei vielen Spaziergängen kam die Idee, dass man die tolle Natur doch durchaus für ein Klassik Enduro nutzen könnte. Und vom Trefle inspiriert, das drei riesige Schleifen hat, dachte ich klein anfangen mit zwei Schleifen. Die ergeben praktisch ein „8“ Und schon war der Name geboren. Erst im Laufe der Konzeption der Hohenloher 8 bin ich auf die „Schwere Schwäbische Geländefahrt“ gestoßen. Diesen Titel zu verwenden, habe ich verworfen. Denn es wäre vermessen, an so eine legendären Wettbewerb anknüpfen zu wollen. Zumal damals ja auf einer riesigen Schleife von 150 Kilometer Hohenlohe durchquert wurde“.
Wie ging es dann weiter?
„Da ich ein etwas ungeduldiger Mensch bin, hatte ich keine Ambitionen 1-2 Jahre lang alles vorzubereiten. Also bin ich zum Bürgermeister und fragte, was er von der Idee hält. Als dessen Daumen nach oben zeigte, habe ich in den nächsten zwei Wochen die Strecke von 75 Kilometer ausgearbeitet. Dann natürlich nach gleichgesinnten Klassik-Enduro Fahrern in der Region gesucht und einen Verein gegründet. Denn der Verein der bis 1965 die Schwere Schwäbische veranstaltet hatte, hat mit Motorrad leider nix mehr zu tun und sich voll und ganz dem Auto verschrieben. Und dann folgte bereits der Genehmigungsprozess. Kein Schwein glaubte daran. Doch als die Genehmigung vorlag kam im Organisationsteam der Ausspruch – oh jetzt kommt viel Arbeit auf uns zu“
Eine der beiden Sonderprüfungen wurde nicht genehmigt. Wie kam es dazu?
Ja, das war natürlich ein herber Dämpfer. Da sie direkt an einem außergewöhnlichen Naturschutzgebiet lag, wäre eine viele Monate lange Prüfung, z.B. wegen Artenschutz etc. notwendig gewesen. Dazu fehlte am Ende einfach die Zeit.
Welche Höhen und Tiefen gab es?
Na da gab es schon einige. Die Veranstaltung war eigentlich mehrfach am Ende. Aber es fand sich immer ein neuer Weg um weiterzumachen. Denn Ausdauersportler, die stundenlang den Naturgewalten ausgesetzt sind, wissen, das man kämpfen muss. Und nicht ins Ziel kommen, war für uns keine Option. Die möglichen Platzprobleme im Fahrerlager haben uns z. B. zeitweilig schon sehr große Sorgen gemacht. Höhepunkt war natürlich der große Zuspruch mit den zahlreichen Nennungen. Und zudem die Unterstützung durch Bürgermeister, Ortvorsteher und das Landratsamt. Das war wirklich außergewöhnlich. Ein ganz großer Dank gilt auch an meinen Kompagnon Andreas Schulz, der sich immer zu 100% für die Hohenloher 8 eingesetzt hat.
Besonders gefreut hat mich die Geschichte eines Teilnehmers, der uns berichtete, dass er an einer Bank über dem Ettetal eine zehnminütige Pause einlegte, um einfach die schöne Landschaft zu genießen.
Wie war das Feedback der Teilnehmer?
Ich habe den Eindruck, das alle sehr angetan waren und habe viele strahlende Gesichter gesehen. Das ist der schönste Lohn für all die Arbeit der letzten Monate. Viele waren noch nie in Hohenlohe und wussten auch gar nicht wo das liegt. Jetzt wollen fast alle wiederkommen.
Gibt es schon Planungen für die zweite Ausgabe?
Ja, der Geist der „Schweren Schwäbischen“ lässt sich nur bedingt beschwören, denn von den damaligen Maschinen gibt es ja nur noch sehr wenige. Vielleicht nennen wir sie künftig „Schöne Schwäbische“ oder „Schwäbisch-Fränkische“, denn Hohenlohe ist ja fränkisch.
Unsere Idee ist weiterhin, das alte Blech zu fördern. Maschinen mit Blechtank, in jedem Fall Trommelbremsen und bis Baujahr 1979. Vielleicht wie in Isny. Die Mini-Hubraumklasse bis 100 Kubik geht künftig bis Baujahr 1982. Neu sollte eine Einzylinder-Viertaktklasse bis 1984 sein, eine 175er Klasse und gesonderte Startplätze für seltene Maschinen, wie z.B. eine Moto Villa. Die Strecke möchten wir zudem auf drei Runden á 55 Kilometer ändern. Das Nenngeld wird reduziert auf die Vorgabe der Veranstaltertagung, also 100 Euro und wird gestaffelt nach Platzverbrauch. Wer zu zweit mit einem Fahrzeug bis 7 Meter kommt, zahlt nur 80 Euro. Wer, wie in den 1960ern teilweise, mit zerlegter Maschine auf der Rückbank eines PKW bis 1979 kommt und zeltet, für den entfällt das Nenngeld. Gleiches gilt für Leute die mehr als 250 Kilometer Anreise auf Achse kommen. So wie anno 1956 der Erwin Schmider auf seiner Max.
Hast du einen Tipp für alle die auch ein Klassik-Enduro ins Leben rufen wollen?
Man muss den Mut haben seine Idee zu verfolgen und darf nicht sofort aufgeben. Die lokale Politik muss es voll und ganz unterstützen, das ist unabdingbar. Wenn da aus ideologischen Gründen Vorbehalte sind, dann hat es gar keinen Zweck. Das kann von Landkreis zu Landkreis sehr unterschiedlich sein und man muss frühzeitig mit Forstamt und Naturschutzbehörde in den Dialog gehen. Das Argument, dass es keine großen Vereine mit 50-70 Helfern mehr gibt, hinkt in meinen Augen. Wenn man nach Neumarkt in Österreich blickt, wo der Bernie Walzer mit einem Dutzend Helfern die grandiose Wertungsfahrt auf die Beine stellt, zeigt das, dass noch vieles mit ganz viel Herzblut für unseren Klassik Enduro Sport möglich ist.
Enduro-Klassik.de sagt vielen Dank für das Gespräch/BL








