Maico GS 350 vorgestellt

Ein besonderes Geländesportmodell mit namhaftem Stammbaum

Als sich der 19Jährige Erich Sauter aus Leutkirch im Allgäu 1976 für seine erste Geländesportsaison als Nachwuchsfahrer eine gebrauchte Maico 350 GS in die heimische Garage holte, ahnte er vermutlich anfänglich noch nicht, welch besonderes Sportgerät er sich damit an Land gezogen hat. Anhand des Stammbaumes der Vorbesitzer konnte er allenfalls erahnen, dass dieses „schwäbische Sportgerät“ wohl kaum Straßenkilometer auf dem Buckel haben dürfte. War es doch seit seiner Erstzulassung im Jahr 1969 ausschließlich von namhaften aktiven Geländesportlern bewegt worden. Kein Geringerer als das Geländesport-Urgestein Fritz Nödinger hat diese Maico erstmals in Betrieb genommen und sie wurde dann Zug um Zug immer nur in die Hände von Geländesportler weitergegeben. Die da wären, Claus Bürk, Egbert Haas und Max Staudacher, ehe die umtriebige GS 350 eine bleibende Heimat bei Erich in Leutkirch fand. Für seine Erstlingssaison 1976 standen Einsätze u.a. in Biberach, Schweighausen, Odenheim und Riedenburg auf dem Programm, welche die 4-Gang Rechteck samt jungem Fahrer, mit Bravour bewältigte. Zwischenzeitlich wurde das Motorrad grundlegend restauriert und in der damals eher seltenen Maicofarbe weiß neu aufgebaut. Eine Lackierung die in den frühen Siebzigern neben, rot, gelb, blau und orange bei Maico angeboten wurde.

Doch die große Besonderheit an dem Sportgerät liegt in dem Umstand begründet, dass die extrem sport- und erfolgsorientierten Vorbesitzer das einstige 1969er Modell mit Rechteckzylinder im Laufe der Jahre fahrwerkstechnisch umgebaut und an den jeweiligen Sport-Standard angepasst haben. Und so entstand im Verlauf der Veranstaltungs-Einsatzjahre ein Motorrad mit einer fachmännisch vorgenommenen Rahmenangleichung an die Maico 74/5 Konstruktion mit den hinten vorgesetzten Federbeinen. Die große Trommelbremse vorne musste zudem der leichteren Halbnabe weichen und auch der große Blechtank konnte dank Maico-Baukastensystem durch den eckigen (Reinschlüssel) Alutank ersetzt werden. Modernere Kunststoffkotflügel statt originalem Alublech machten dabei wohl den geringsten Aufwand. Und so kam Erich als Nachwuchsfahrer 1976, in den Genuss eines 7 Jahre alten Geländesportmotorrades, welches sich Dank seiner sportlich hochambitionierten Vorbesitzer technisch weiterentwickelt absolut auf der Höhe der Zeit befand. Ein richtig scharfe Sportgerät, könnte man sagen, das aber auch noch seine alte Herkunft nicht verleugnete, wie die Gabel mit außenliegenden Federn, die hintere Blechstahl-Radnabe, die Sitzbank, der flach liegende Endschalldämpfer oder die Hochschulterfelgen zeigen. Ein guter und erfolgreicher Geländesportler musste auch damals schon einfach auch ein richtig guter Schrauber und Mechaniker sein.

Natürlich liegt es auf der Hand, dass dieses, zumindest aus heutiger Sicht, coole „Maico-Sondermodell“ auch schon früh bei der Isny-Classicfahrt, die ja nur wenige Kilometer von der Besitzer-Garage entfernt stattfindet, zum Einsatz kam und heute ihre Heimat in einer kleinen Sammlung weiterer schön restaurierter Geländesportmodelle aus der späteren 1970er Epoche gefunden hat. Aus dem einstigen Nachwuchsfahrer ist längst ein Klassik-Enduro Fan und Sammler geworden, in dessen Werkstatt und Garage eine Sportart, die ehemals „Motorrad-Geländesport“ genannt wurde, weiterlebt und der Geruch von verbranntem Zweitaktgemisch höchstwahrscheinlich als durchaus wohltuend empfunden wird. (BL)

Enduro-klassik.de bedankt sich bei Erich Sauer für die schöne Geschichte. Bildnachweis: 1 Archiv Wahl, Rest Archiv Sauter;

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