Der Preis der Nationen, die jährliche Moto Cross Mannschaftsweltmeisterschaft der FIM, wurde 1978 im schwäbischen Gaildorf ausgetragen. Den 56 Startern wurde vom Veranstalter eine perfekt vorbereitete Strecke und eine tadellose Organisation geboten. Seitens der FIM gab es im Vorfeld allerdings ein paar Probleme, insbesondere wegen des enorm großen Starterfeldes. So musste kurzerhand das Startgatter um ein paar Meter verlängert werden, so dass 42 Teilnehmer von Startreihe 1 aus ins Rennen gehen konnten. Als Favoriten waren die Belgier als Titelverteidiger mit Roger de Coster, Jaak van Velthoven, Andre Malherbe und Andre Vromans ins Ländle gereist. Für das deutsche Team wurden Adolf Weil, Hans Maisch, Herbert Schmitz und Fritz Köbele von Teamchef Christoph Specht aufgeboten. Aufregung gab es dabei um Adolf Weil, der noch an einer schmerzhaften Handverletzung laborierte. Doch man konnte ihn zur Teilnahme überreden, da man sich gerne mit einem reinen Maico-Team präsentieren wollte. Dennoch hatte der 40jährige Adolf Weil im Vorfeld bereits unmissverständlich erklärt, dass dieses Moto Cross der Nationen das letzte Rennen seiner langen Karriere sein würde. Für die Nationenwertung galt es zwei Rennläufe a 40 Minuten zu absolvieren. Für jedes Nationenteam wurden die Ergebnisse der jeweils drei laufbesten Fahrer gewertet.
Kurz nach dem Start zum Lauf 1 konnte sich der amtierende Halbliterweltmeister Heikki Mikkola mit seiner Yamaha schnell vom Feld absetzen. Nur der US Youngster Bob Hannah konnte ihm annähernd folgen. Doch ein Überschlag warf den US Boy zurück und der Brite Neil Hudson rückte auf Platz 2 vor, von dem er kurz vor dem Ziel noch von Chuck Sun verdrängt werden konnte. Die Favoriten aus Belgien hatten so ihre Problem und einzig ihr Superstar Roger de Coster konnte wenigstens auf die 6. Position nach vorne fahren. Von den deutschen Fahrern hatte vor allem Herbert Schmitz im ersten Lauf mächtig Pech. Beim Start wurde er etwas eingeklemmt und deshalb weit nach hinten durchgereicht. Dann löste sich auch noch die Lenkerbefestigung und er benötigte technische Hilfe. Ein Lauf zum Vergessen also. Hans Maisch konnte jedoch die Kohlen aus dem Feuer holen. Er kämpfte mit Moiseev um Rang 9 und Adolf Weil und Fritz Köbele rangierten mit den Plätzen 15 und 16 auch noch gut im vorderen Mittelfeld. Da die Finnen zwei Ausfälle verzeichnen mussten, war Mikkolas Sensationslauf eigentlich für die Teamwertung wertlos. Nach Lauf 1 übernahm zunächst das sowjetische Team, punktgleich mit den USA, die Führung. Moiseev, Kavinov, Korneev und Khudiakov auf ihren KTM`s schafften es allesamt, sich kompakt im vorderen Mittelfeld zu platzieren. Bei den Amerikanern konnte Tom Croft hingegen nur 29er werden. Mit 4 Punkten Abstand folgte zunächst Team Deutschland auf Rang 3.
Für den zweiten Lauf war somit für allerbeste Spannung gesorgt.
Auch der zweite Lauf wurde zur Beute des finnischen Weltmeisters Heikki Mikkola. Unangefochten bestimmte er das Tempo an der Spitze. Maico Mann Fritz Köbele kam als Vierter nach dem Start diesmal besser ins Rennen und konnte sogar den vor ihm liegenden Andre Malherbe überholen. Gegen die hinter ihm liegenden Briten Graham Noyce und Neil Hudson konnte er sich zunächst gut erwehren. Auch Herbert Schmitz war ein guter Start in den zweiten Lauf gelungen. Er konnte sich hinter Roger de Coster klemmen und diesem auf dem Weg in Richtung Spitze, auch vorbei an Chuck Sun und Kavinov gut folgen. Während sich de Coster zum Rennende hin auch noch Köbele schnappen konnte und Dritter wurde, kamen die beiden deutschen Maico Fahrer auf P 4 und 5 ins Ziel. Doch bei unseren beiden anderen Fahrern hakte es nun gewaltig. Adolf Weil wurde von einem Konkurrenten heruntergefahren und famd sich auf Rang 40 wieder. Es war klar, das würde das Streichergebnis sein. Und auch Hans Maisch, der im ersten Lauf so eine tolle Leistung gezeigt hatte, war wegen einem Vergaserproblem sehr schlecht in den zweiten Lauf gestartet. Als die Maico dann endlich richtig rund lief, legte er eine bravouröse Aufholjagd hin und verbesserte sich vom Schluss des Feldes noch auf Rang 26. Die Mannschaft aus der UdSSR trat hingegen auch in Lauf 2 sehr geschlossen auf und konnte mit den Plätzen 9 (Kavinov), 12 (Korneev) und 14 (Moiseev) gute Punkte einsammeln. Der 2. Lauf endete für Deutschland und die UdSSR punktgleich. In der Addition siegte die sowjetische Mannschaft somit mit 4 Punkten Vorsprung aus Lauf 1 und holte sich zum zweitem Mal nach 1968 die Moto Cross Nationenwertung. Der Vizeweltmeister-Titel ging an Deutschland und bescherte Adolf Weil zu seinem Karriereende nochmals einen herausragenden Erfolg. Dank der sehr starken Leistungen von Roger de Coster gelang es den Belgiern schließlich noch den dritten Rang vor den nachfolgend punktgleichen Mannschaften aus den USA und Großbritannien zu holen./BL
Informationen und Bilder, Reiner Scharfenberg
enduro-klassik.de bedankt sich bei Reiner Scharfenberg für die Überlassung seines Bildmaterials.





