9 Stunden Anfahrt, 10 Stunden Heimfahrt, was für ein Aufwand. Jammern auf hohem Niveau. Doch an der ersten ZK gleich mein Fazit: „Nach 10 Minuten ist das alles vergessen und das Herz springt nur so!“ Gegenüber der letzten Ausgabe 2021 wurde die erste Hälfte der Strecke stark überarbeitet. Und wie! Kurz vor dem Start erfahre ich aus dem Organisationsteam das mehrere „Schmankerl“ der früheren EM-Läufe reaktiviert werden konnten. Der nackte Wahnsinn was mein Twinshocker in den ersten 45 Minuten unter die Stollen bekommt: Kernige Auf- und Abfahrten im Wald, auf fantastischem, lehmfreien Mutterboden, gespickt mit Wurzeln und abgerundet mit würzig frischer Waldluft. „Waldbaden“ nennen das die Asiaten. Frisch gemähte Wiesen mit Bilderbuch-Alpenpanorama. Ja sogar ein Schlammloch ist zu überwinden. Die Drehzahlen für Endorphin und Dopamin laufen in meiner Birne nonstop im Begrenzer. Vor Glück könnte man Purzelbäume schlagen, denn so herrliche Trails im Wald findet man nur selten und schon gar nicht in dieser Aneinanderreihung. Bis ZK 1 rauschen die Höhepunkte wie im Schnellzug vorbei. Mir kommen die 45 Minuten vor wie 5, so ist die Zeit verflogen. Dazu überall freundlich winkende Anwohner. Filippo, ein Nachwuchsfahrer aus Italien auf einer 76er SWM ist davon am meisten beindruckt: „So was kenne ich gar nicht mehr in Italien.“ Am stärksten pocht natürlich der Herzmuskel, wenn man die begeisterten Kinder sieht, die winken oder gar eine Hand zum Abklatschen vorstrecken. So war es vor 30 bis 40 Jahren auch noch in Italien und Deutschland, als der Geländemotorradsport noch nicht verteufelt wurde. Ich werde nicht vergessen, wie ein zirka 10jähriger sichtlich schüchterner Bub, der allein am Wegrand stand, sich gefreut hat, als ich im leicht erhöhten Schritttempo auf ihn zurolle und Zeichen mit meinen ausgestreckten Arm gegeben habe. Auf Zehenspitzen stehend, traute er sich dann seinen Arm ebenfalls lang zu machen. Und Peng das Abklatschen – was für ein schöner Moment für die beiden Beteiligten!

Von ZK 1 bis zum Ziel dann die bekannten felsigen Hohlwege und steilen Abfahrten, wo ich mehr als froh bin über meine sonst lästig langen Latschen. Durch den wochenlangen Regen im Mai wurden diese Abschnitte zu einer echten Herausforderung. Hut ab vor den 20 Fahren, die ihre pre 73er Maschinen da rauf und wieder runtergebracht haben. Das ist aus meiner Sicht die größte fahrerische Leistung beim 7. Classic Enduro Mühlen gewesen, für das 249 Fahrer genannt hatten. Davon mit 81 Youngtimer nach Bj. 83. Mein persönlicher Wermutstropfen. Praktisch war damit jede dritte Maschine neueren Datums. Eine Entwicklung die mich als Twinshockliebhaber etwas nachdenklich macht.

 

Seine Eindrücke von dem Mühlen Event hat unser enduro-klassik.de Unterstützer, Sven Markurt, für uns sowohl mit dem Foto eingefangen und auch aufgeschrieben. Danke hierfür.

 

Wollte man der Mühlen-Veranstaltung ein bankenübliches Rating verpassen, dann würde man an einer AAA-Bewertung hier wohl nicht vorbeikommen.

 

Ergebnisse:

Hier ein Link zum „Kaiser – Walzer“, ein schöner Beitrag bei „MeinBezirk.at“ 

 

Und wie angekündigt, hier noch viele weitere Sportfotos von Felix Fischer. Viel Spaß beim Scrollen.