Die Starterliste der 3. Klassik Geländefahrt in Ohrdruf 2022 konnte als kleine Überraschung neben bereits schon bekannten tschechischen und niederländischen Teilnehmern diesmal auch mit drei Fahrern aus dem Vereinigten Königreich aufwarten. 

# 100 Mark Shaw Bultaco Frontera (GB)

#110 Finley Shaw, CZ (GB)

#243 Richard Howells, Husqvarna (GB)

Der Start dieser drei Endurosporthaudegen aus Wales bei dem Klassik-Event in Thüringen war jedoch kein Zufall sondern ist Teil einer tollen Sportfreundschaft, die uns Christian Skock vom MC Neustadt/Coburg erzählt hat und die im Jahr 2010 über einen Umweg begann.

Bei einem EBAY-Deal, natürlich ging es um Motorradteile, kam der oberfränkische Enduroklassik Fan Christian mit Gavin Douglas aus Northumberland/Newcastle in Kontakt und es entwickelte sich aus diversen Internetgeschäften eine gute Internetfreundschaft. Da Gavin in seiner Heimat drei- bis viermal pro Jahr Enduroveranstaltungen organisiert, blieben Einladungen natürlich nicht aus und Christian machte sich 2019 zusammen mit Kumpel Joerg Bergande zu einer dieser privaten Veranstaltung nach Dogginton auf die britische Insel auf. Eine Zweitagesveranstaltung auf privatem Grund mit ca. 17 Kilometer Streckenlänge, welche je nach Klasse vier- bis sechsmal am Tag zu absolvieren war. Ein einfacher Modus mit drei Klassen, nämlich Sportsman (Anfänger), Clubman (Fortgeschrittene) und Expert (Experten) ohne jede Hubraumbeschränkung, dafür aber mit Geländepassagen vom Allerfeinsten und eine schöne lange Sonderprüfung. Alles sehr unkompliziert, das ist Enduro Breitensport bei den Briten. 

Die ersten im Fahrerlager, die sich neben unseren oberfränkischen Endurofans niederließen, war die Familie Shaw aus Wales. Und genau wie das auch in unseren Fahrerlagern so üblich ist, half man sich gegenseitig und kam schnell ins Gespräch. Sei es während des Rennens oder auch im Restaurant oder gar beim Einkaufen. Die „Shaw`s“ entpuppten sich als Glücksgriff für unsere weitgereisten Oberfranken. Am Veranstaltungsende musste natürlich dann das obligatorische Gruppenfoto geschossen werden und zudem wurde den deutschen Gästen gleich auch noch die walisische Fahne als Gastgeschenk überreicht. 

Damit war dann auch schon die zweite Endurofreundschaft zwischen Oberfranken und GB besiegelt. Mark Shaw und Christian hielten fortan engen Kontakt via Internet und rasch stellte sich für Mark die Frage, wann er wieder einmal in Deutschland an einem Klassik Event teilnehmen könnte. Erste Erfahrungen hatten er und sein Sohn Finley bereits bei einem Start in Isny gesammelt. Ideen gab es nun einige, doch die Corona Pandemie machte ab 2020 das alles zunichte. Zudem hat auch der Brexit die Sache nicht einfacher gemacht. 

Als Lichtblick für eine Deutschlandreise entpuppte sich dann die Zweitages- Jubiläumsveranstaltung in Ohrdruf, deren erste Hürde, nämlich das Nennungsverfahren, die Briten sehr gut meisterten. Einem britisch-oberfränkischen Treffen stand somit außer einer 1200 Kilometer langen Anreise nahezu nichts mehr im Wege. Doch einen kleinen Dämpfer galt es noch zu verarbeiten. Die in Ohrdruf  gebuchte Ferienwohnung war doppelt belegt worden und stand nicht mehr zur Verfügung. Doch nach einer Nacht in Renntransportern und Kastenanhängern auf Feldbetten fanden sich für das vierköpfige britische Team schließlich doch noch die ausreichende Anzahl an Betten für erholsamen Schlaf und deutschen Biergenuss. Und leider lief es dann bei der schweren Geländesportveranstaltung auch nicht ganz rund. Mark Shaw absolvierte den ersten Einsatz mit einer neu aufgebauten Bultaco und auch Sohn Finley hatte mit der Technik seines CZ-Eigenbau beim ersten Wettbewerbseinsatz zu kämpfen. Trotz tatkräftiger Unterstützung der Betreuer vom MC Neustadt/Coburg beim Schrauben kamen beide an den zwei Fahrtagen jeweils nicht in der Wertung ins Ziel. Ihr mitgereister Freund Richard Howells mit seiner Youngtimer-Husqvarna tat sich da dann doch etwas leichter. Er musste auch mehrfach Hand bei der Technik anlegen, doch er konnte sich trotz der miesen Witterung und Dank der Hilfe seines Betreuers Ron bravourös durch die 2 Tage bis ins Ziel durchkämpfen.

Am Ende waren sie alle dennoch sehr zufrieden. Der Enduro-Freundschaftsbesuch unter „erschwerten Bedingungen“ schweißte die oberfränkisch-walisische Freundschaft noch weiter zusammen und die Zusage, dass das „Enduro Team Shaw“ wieder zu einem Klassik Event nach Germany kommt, die steht. 

Am Ende gab es dann aber doch noch ein tolles Erlebnis für die 4 Waliser. Beim Besuch des Simson Museums in Suhl haben sie Ex Simson Werksfahrer Horst Geißenhöner getroffen, der ihnen gleich mal eine Chef-Führung verpasst hat und von seinen Sixday`s Erlebnissen in Wales aus erster Hand berichtete.  

„a great experience“

Das sind Geschichten, die das Leben oder eben unser Klassik Endurosport schreibt.

 

 

 

 

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